Neuer Schufa-Score startet: Tarifvergleich ist unkritisch, viele echte Anträge in kurzer Zeit können aber zum Problem werden

Neuer Schufa-Score startet mit mehr Transparenz: Warum nicht der Tarifvergleich das Problem ist - Für Tarifkunden gilt: Vergleichen ist unkritisch, viele Anträge können problematisch werden

18.03.2026 18:20 Uhr aktualisiert

Schufa-Score

Seit dem 17. März 2026 ist der neue Schufa-Score verfügbar. Die Schufa verspricht damit ein transparenteres und leichter nachvollziehbares Modell als bisher. Für Verbraucher ist das zunächst ein Fortschritt, weil Bonität im Alltag oft eine größere Rolle spielt, als viele denken.

Das betrifft nicht nur Kredite und Ratenkäufe, sondern auch Mobilfunktarife (ausgenommen Prepaid-Tarife) und Festnetzverträge.

Gerade in der Telekommunikation ist es deshalb wichtig, die neue Logik richtig einzuordnen. Denn nicht das Vergleichen von Tarifen ist das Problem, sondern eher eine Häufung konkreter Anträge und Bonitätsabfragen.

Das Wichtigste zum neuen Schufa-Score
  • Neuer Schufa-Score seit 17.3.2026 verfügbar
  • Punkteskala von 100 bis 999
  • 12 Kriterien bestimmen den Score
  • Tarife vergleichen ist nicht das Gleiche wie einen Vertrag beantragen
  • Transparenter heißt nicht automatisch fairer
 

Genau diese Unterscheidung schafft mehr Klarheit für Verbraucher. Wer Tarife auf Portalen vergleicht, sich über Preise informiert oder Angebote prüft, verschlechtert seinen Score dadurch nicht automatisch.

Kritisch kann es erst dann werden, wenn aus dem Vergleich mehrere echte Vertragsanträge werden und Anbieter im Zuge dessen Bonitätsanfragen stellen. Vor allem bei vielen Anträgen in kurzer Zeit kann das negativ wirken. Mehr Transparenz hilft also, die Risiken besser zu verstehen, macht das System aber noch nicht automatisch gerechter.

 

Das hat sich beim neuen Schufa-Score geändert

Die wichtigste Neuerung ist die Darstellung. Der neue Schufa-Score arbeitet mit einer Skala von 100 bis 999 Punkten. Je höher der Wert, desto besser fällt die Bonität aus.

ScorePunktebereichErklärung
Hervorragend776 bis 999Sehr gute Bonität, geringes Risiko für Zahlungsausfälle
Gut709 bis 775Gute Bonität, durchschnittliches Risiko
Akzeptabel642 bis 708Noch ordentliche Bonität, aber leicht erhöhtes Risiko
Ausreichend100 bis 641Erhöhtes bis deutlich erhöhtes Risiko, Verträge oder Kredite können schwieriger werden
Ungenügendkein ScoreDie Schufa berechnet in diesen Fällen keinen Score, etwa bei offenen Zahlungsstörungen oder Einträgen aus Schuldner- oder Insolvenzregistern

Außerdem beruht die Berechnung nur noch auf 12 klar benannten Kriterien. Das ist deutlich verständlicher als das bisherige System mit mehreren Scorewerten und vielen Einflussgrößen.

Nr.Kriterium laut Schufa
1Zahlungsstörungen
2Alter des ältesten Bankvertrags
3Alter der ältesten Kreditkarte
4Alter der aktuellen Adresse
5Alter des jüngsten Rahmenkredits
6Anzahl Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten
7Anzahl Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten
8Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen zwölf Monaten
9Längste Restlaufzeit aller Ratenkredite
10Kreditstatus
11Immobilienkredit
12Vorliegen einer Identitätsprüfung
 

Neu ist auch der Zugang für Verbraucher. Wer einen Schufa-Account nutzt, kann den eigenen Score einsehen und besser nachvollziehen. Die kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO bleibt daneben weiter bestehen. Das ist wichtig, weil nicht nur der Score selbst zählt, sondern vor allem die Frage, ob die zugrunde liegenden Daten überhaupt stimmen.

 

Darum ist das auch für Mobilfunk und Festnetz wichtig

Bonitätsprüfungen spielen nicht nur bei Banken eine Rolle. Auch beim Abschluss von Mobilfunk- und Festnetzverträgen kann die Zahlungsfähigkeit vorab geprüft werden. Das betrifft vor allem Laufzeitverträge und Konstellationen, in denen der Anbieter ein Ausfallrisiko trägt. Ein schwacher Score kann dann Folgen haben bis hin zu einer Ablehnung des Vertrags oder zu schlechteren Zahlungsoptionen.

 

Für Tarifwechsler ist dabei ein Punkt besonders wichtig. Im neuen Modell zählt auch, wie viele Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten vorliegen, genauer gesagt Score-Kriterium Nr. 7.

Mehrere Anfragen innerhalb von 28 Tagen werden nur einmal gezählt. [...] Haben Personen keine oder lediglich eine Anfrage außerhalb des Bankenbereichs erhalten sie 99 Punkte für ihren Score. Zwei Anfragen fließen mit 71, drei Anfragen mit 40 Punkten in den Score ein. Ab der vierten Anfrage erhalten Personen keine Punkte mehr. Die Ausnahme bildet die oben genannte 28-Tage-Regelung.

Im Telekommunikationsmarkt kann das relevant werden, wenn mehrere Anbieter innerhalb kurzer Zeit jeweils im Zuge eines echten Vertragsabschlusses eine Bonitätsprüfung anstoßen.

Tarife vergleichen bleibt also unkritisch. Problematisch kann erst eine Häufung bonitätsrelevanter Anfragen werden. Wer sich nur informiert, Angebote gegenüberstellt und Preise prüft, muss daraus nicht automatisch Nachteile ableiten. Wer aber viele Verträge parallel beantragt oder in kurzer Zeit mehrere Anläufe bei verschiedenen Anbietern startet, kann dadurch schlechter wirken, obwohl er seine Rechnungen immer pünktlich bezahlt hat.

Aus Verbrauchersicht ist das der entscheidende Punkt. Nicht ein Preisvergleich schadet, sondern unter Umständen die Zahl echter Anträge. 

 

Das kann der Score nicht leisten

Auch der neue Schufa-Score bleibt nur ein Wahrscheinlichkeitswert. Er sagt nicht direkt, ob du zuverlässig zahlst, sondern wie hoch aus Sicht der Auskunftei ein Ausfallrisiko ist. Das bleibt kritisch, vor allem wenn gespeicherte Daten fehlerhaft oder veraltet sind. Ein transparenteres Modell löst dieses Grundproblem nicht.

Außerdem ist der Score nicht automatisch der alleinige Grund für eine Vertragsentscheidung. Die Schufa selbst spricht nur von einer Entscheidungshilfe. Anbieter können daneben weitere Prüfungen nutzen, etwa zur Risiko- oder Betrugsprävention. Ein abgelehnter Vertrag lässt sich deshalb nicht immer nur auf den Schufa-Wert zurückführen.

 

Kritik am neuen Score

Die Reform entschärft einen alten Streitpunkt, beendet ihn aber nicht. Verbraucherschützer kritisieren weiter, dass bestimmte Lebenslagen Nachteile bringen können, obwohl Verbraucher korrekt zahlen. Dazu zählen etwa häufige Umzüge, viele Bonitätsanfragen oder eine dünne Datenlage bei jungen Menschen. Auch fehlerhafte Einträge bleiben ein zentrales Risiko.

Auch im Telekommunikationsmarkt ist das heikel. Viele Verbraucher vergleichen regelmäßig Tarife, wechseln regelmäßig ihren Anbieter oder prüfen zumindest mehrere Optionen. Das ist aus Verbrauchersicht vernünftig.

Wenn sich daraus aber gehäufte Anfragen im Vorfeld von Vertragsschlüssen ergeben, kann das im Scoring trotzdem negativ wirken. Transparenter wird das System dadurch zwar, verbraucherfreundlicher ist es nicht in jedem Fall.

 
Pro
  • Mehr Transparenz für Verbraucher
  • Einfachere Einordnung durch Punkteskala
  • Tarife vergleichen bleibt klar vom eigentlichen Antrag unterschieden
  • Fehler lassen sich leichter erkennen
Kontra
  • Score bleibt nur ein Wahrscheinlichkeitswert
  • Viele konkrete Anträge können negativ wirken
  • Fehlerhafte Daten können weiter schaden
  • Bestimmte Verbrauchergruppen (Schnäppchenjäger) können benachteiligt bleiben

Einschätzung zum neuen Schufa-Score

Der neue Schufa-Score ist objektiv gesehen ein Fortschritt, weil Verbraucher seit dem 17. März 2026 besser nachvollziehen können, wie ihre Bonität bewertet wird. Für Mobilfunk- und Festnetzkunden ist vor allem wichtig, den Unterschied zwischen Vergleichen und Beantragen zu kennen. Tarife vergleichen ist unkritisch. Problematisch können aber viele konkrete Anträge und Bonitätsabfragen in kurzer Zeit werden. Mehr Einblick ist deshalb gut, eine echte Entwarnung ist das aber noch nicht.

Hier kann es Verbraucher treffen, die besonders aktiv vergleichen oder regelmäßig Finanzprodukte wechseln

Quellen



Autor: TARIFFUXX Redaktionsteam